Pi Boy Classic

Es ist ein PI BOY !

Hallo in meinem Foto-Blog! 

Ich will hier berichten, wie man einen defekten Gameboy in einen Raspberry Pi- und Li-Ionen-Akku getriebenen Gameboy-Umbau verwandelt.

Ich habe viele Anregungen von anderen Bastlern erhalten (siehe Links), vielen Dank für eure Pionier-Leistung! Mein Gameboy-Umbau soll die für mich optimale Essenz aus allen anderen Umbauten sein. 
Die erhofften Eigenschaften des Gameboy-Umbaus:

  • möglichst wenige Eingriffe in das äußere Erscheinungsbild des Gameboys
  • Möglichst großes Display mit Displayschutz
  • integrierter Akku
  • zugängliche Schnittstellen

Nach all den Umbauten, viel Zeit (etwa 25 Stunden), viel Schweiß und ein wenig Verzweiflung heißt es: 

Es ist ein PI BOY !

Eigenschaften

  • Gameboy Classic (der gute, alte, graue mit pinken AB-Buttons) 
  • Raspberry Pi A+ Hauptplatine im Spielmodulschacht verbaut
  • USB-Schnittstelle (z.B. für Wlan-Adapter) im Spielmodulschacht zugänglich
  • Zugang zur Micro-SD-Karte und USB-Ladeschnittstelle über das ehemalige Batteriefach
  • abnehmbares Dummy-Spielmodul, deckt den Modulschacht bei Nichtbenutzung ab
  • 3,5″-Display, 320×240 Pixel
  • gefräste Display-Scheibe
  • integrierter 2.600mAh Li-Ionen-Akku (Ex-Powerbank)
  • 2 Zusatz-Buttons auf der Rückseite
  • Lautstärke-Regler an Originalposition
  • Kopfhörer-Buchse in der ehemaligen Netzteil-Öffnung
  • Reset-Buttons für Spiele in der GameLink-Abdeckung
  • originaler Ein-/Aus-Schalter
  • Keine sichtbaren Modifikationen, um die Gehäuseteile zusammenzuhalten

Ansichten


linke Seite: Kopfhöreranschluss


rechte Seite: Lautstärke-Poti, Reset-Knopf

Rückseite: 2 Zusatz-Buttons, Fake-Modul (magnetgehalten)
Modulschacht: USB-Anschluss
Batteriefach: Zugang zur Micro-SD-Karte. USB-Anschluss zum Akkuladen, Verkabelung Zusatz-Buttons; geplant: Magnethalterung des Batteriedeckels

Bauteile und Kosten

Angaben sind inkl. Versandkosten (ausgenommen Conrad+Pollin)

  • Defekter Gameboy Classic, z.B. Ebay Kleinanzeigen: 10 €
  • Raspberry PI A+, z.B. Pollin: 20€
  • 8GB Class 10 Micro-SD-Speicherkarte, z.B. Pollin: 5€
  • 3,5″ Display 320x240px inkl. Steuerplatine für Composite-Eingang, z.B. Ebay: 17€
  • 2.600mAh USB-Power-Bank, z.B. Pearl: 5€
  • Gefräste Frontscheibe, z.B. Dabenmo; 10€
  • Displayschutzfolie zum Zuschneiden: 2€
  • SMD-Stereo-Verstärker, z.B. PAM8403 von Ebay: 1€
  • Lautsprecher, z.B. Pollin: 0,45€
  • 3,5mm Stereo-Klinkenbuchse mit Kontakt, z.B: Conrad: 1,20€
  • Stereo-Poti, 10k (Typ B103 stereo), z.B: Ebay: 2€ pro 5 Stück 
  • Reset-Taster, z.B. Pollin, 0,15€
  • 2 Einbau-Taster, 12mm-Loch, z.B: Conrad: 5€
  • 4pol. 3,5mm Klinkenstecker, möglichst kurz, z.B. Conrad: 1,65€
  • Magnete zum Befestigen der oberen Gehäusehälfte und des Fake-Moduls, z. B. Pollin: 1,10€

Summe: ca. 82€

Der Umbau – Gehäuse und Platinen

Nützliche Werkzeuge

  • Dremel mit Trennscheibe, Schleifaufsätze
  • Heißklebepistole
  • Elektronik-Lötkolben
  • Entlöt-Pumpe oder Entlöt-Litze
  • Tri-Wing-Schraubenzieher zum Gehäuse Öffnen, z.B. Ebay: 2,85€
  • kleine Feile
  • PUK-Sägeblatt

Das Gehäuse öffnen

Zum Gehäuse öffnen braucht man den oben genannten Tri-Wing-Schraubenzieher, um die 6 Schrauben auf der Rückseite (2 im Batteriefach) zu lösen. 

Das geöffnete Gehäuse

Innereien entfernen

Danach muss man die ca. 27 Schrauben entfernen, die die beiden Hauptplatinen sowie den Träger für die Kopfhörerbuchse und die Abdeckung im Modulschacht festhalten.

Das entkernte Gehäuse

Gehäuse bearbeiten

Rückseite

Bei der Überlegung, wie der Raspi am besten ins Gehäuse passt, so dass

a) möglichst die USB-Buchse und der Micro-SD-Kartenschacht zugänglich ist und
b) das Gehäuse äußerlich möglichst im Originalzustand verbleibt;

fiel mir auf, das ein Gameboymodul die gleiche Breite wie ein Raspi A+ hat. 
Der Raspi A+ ist zudem recht flach, da er keine Netzwerkbuchse und nur eine USB-Buchse besitzt. Nach ein wenig Umherschieben stand die Position des Raspis im Gameboy fest, so dass auch die USB-Schnittstelle und der Micro-SD-Kartenschacht zugänglich sind.
Damit der Raspi vollständig im Modulschacht verschwinden kann, musste ich das Gehäuse mit dem Dremel bearbeiten. 
Die Anpassungen (Schnitte)dafür habe ich im Bild unten mit (3) gekennzeichnet, die Anpassungen (Abschleifen der Stabilisierungsnasen) dafür habe ich mit (2) gekennzeichnet.

Neben dem Raspi sollte noch eine integrierte Stromversorgung Platz im Gehäuse finden, um mobil „arbeiten“ zu können.
Die kleinsten USB-Powerbanks enthalten in der Regel eine Li-Ionen-Becherzelle (18650) sowie eine kleine Lade-/Spannungsreglungsplatine. Deren Zelle mit 65mm Höhe und 18mm Durchmesser passt wunderbar quer in das Gehäuse den Gameboys. Platz dafür ist im Bereich des ehemaligen Batteriefachs.Die Anpassungen dafür habe ich mit (3) gekennzeichnet.

Für die Audio-/Video-Ausgabe am Raspi blieb nur, die 3,5mm-Buchse zu nutzen. Diese Signale werden nämlich nicht über die GPIO-Pins ausgegeben. 
Um einen 3,5mm-Klinkenstecker in den Raspi und den dann bündig ins Gehäuse zu bekommen, musse der Stecker auf der Lötseite möglichst kurz sein (siehe Datenblatt in der verlinkten Bauteileliste), zum anderen musste der Übergang des Modulschachts etwas flach geschliffen werden.Die Anpassungen dafür habe ich mit (1) gekennzeichnet.

Zum Bearbeiten des Gehäuses: an den schlecht zugänglichen Stellen ist es einfacher, immer nur kleine Stücke herauszusägen und dich dem Ziel langsam anzunähern, bevor man einen ungewollten Schnitt ins Gehäuse setzt. Hierzu habe ich hauptsächlich den Dremel mit Trennscheibe genutzt. Entgraten am Besten mit einer kleinen Feile.

Zuletzt habe ich noch die ehemalige Öffnung für ein Netzteil auf das Maß der Klinkenbuchse aufgebohrt, in diesem Falle (siehe Materialliste) 7mm.
Die Anpassungen dafür habe ich mit (4) gekennzeichnet.

Zu bearbeitende Gehäuseareale

Fertig bearbeitetes Gehäuse, inkl. Klebestreifen für den Raspi

Front

Nach ein paar Messungen und Abgleich mit den Datenblättern habe ich erfreut festgestellt, dass die sichtbare Fläche eines 4:3 3,5″-LCDs ist etwas kleiner als die urspüngliche Displayscheibe des Gameboys. So ein Display (inkl. Rand) passt also mit vergrößertem Gehäusedisplayausschnitt in den Gameboy. Eine Displayschutzscheibe passt zudem auch noch in die ursprünglich dafür vorgesehene Vertiefung. Da die alte Scheibe jedoch am unteren rechten Rand einen deutlich größeren Radius aufweist, wäre das 3,5″-LCD teilweise verdeckt. Damit musste auch die Vertiefung für die Displayscheibe an dieser Stelle etwas vergrößert werden. Dies habe ich mit dem Dremel und dem Stirnfräsenaufsatz gemacht.

Die Vergrößerung des Gehäuseausschnitts habe ich mit einem Puk-Sägeblatt (ohne Säge) durchgeführt. Damit lässt sich der Schnitt deutlich besser kontrollieren als mit dem Dremel, durch die Höhe des Sägeblatts hat man einen ganz guten „Geradeauslauf“ und bekommt eine recht saubere Kante hin. 

Wie breit der Displayrand im Gehäuse verbleiben kann, müsst ihr selbst ausmessen. Ich konnte einen 1,5mm-Rand an jeder Kante der Displayöffnung zur Vertiefung hin stehenlassen. Das ist genug, um eine neue Displayscheibe stabil einzusetzen.

Leider habe ich kein Foto des Ausschnitts angefertigt, aber auf dem Bild mit Display sieht man den verbliebenen Rand um so besser.

Erweiterte Displayöffnung (ohne Scheibe), rechter untere Ecke zusätzlich mit Stirnfräse bearbeitet, damit ein Rand bleibt.
Auf der Innenseite der Gehäusefront mussten alle störenden hervorstehenden Kunststoffteile weichen, damit das Display absolut plan aufliegen kann.

Die Displayscheibe

die Originalscheibe hat die Maße 56,5mm*74,5mm und ist 1mm dick. Die Ecken sind mit Radius R3mm abgerundet.
Eine solche Scheibe habe ich mir aus Plexiglas fräsen lassen. Der Dienstleister (siehe Teileliste und Links) hat nur mindestens 1,5mm dicke Plexigläser zur Auswahl. Somit steht die Scheibe ein bisschen über das Gehäuse hinaus.
Auf die Displayscheibe habe ich eine Displayschutzfolie für ein Smartphone oder Tablet geklebt, da das Plexiglas nicht gehärtet und somit sehr kratzeranfällig ist.

Platinen bearbeiten

Von den original Gameboy-Platinen habe ich folgende Teile verwendet:

  • Gamecontroller-Abschnitt
  • Ein-/Aus-Schalter
  • theoretisch: Poti für die Lautstärke-Reglung (war bei mir allerdings defekt)

Dabei galt es, auf der einen Seite möglichst wenig Material stehen zu lassen, um wenig Platz im Gehäuse zu verschenken, auf der anderen Seite Befestigungspunkte stehenzulassen, um die Teile mit wenig Aufwand wieder befestigen zu können.

Zum Schneiden der Platinen habe ich wieder die Trennscheibe des Dremels benutzt.Achtung: Die Platine ist glasfaserverstärkt und bleiverlötet, deshalb die Platinen unbedingt nur im Freien schneiden!

Auf den folgenden Bildern habe ich die Schnitte markiert.

Schnitte Ein-/Aus-Schalter inkl. Befestigungsbohrung

Schnitt Gamecontroller-Platine
Auf der Gamecontroller-Platine habe ich anschließend alle Bauteile (bis auf die Lötbrücken, die braucht man später wieder) entlötet.

Batterieabdeckung

In die Batterieabdeckung sollen später die zusätzlichen X/Y-Buttons geschraubt werden. Hierfür musste ich zwei 12mm-Löcher in die Abdeckung bohren. Dabei dürfen die Löcher nicht zu nah an der oberen Kante angesetz werden, da die Raspi-Platine ins Batteriefachragt. Auf der anderen Seite dürfen die Buttons nicht zu tief angesetzt sein, da man sie ansonsten nur noch schlecht erreicht.Deshalb habe ich die Löcher erst gebohrt, als alle anderen Teile schon zusammengebaut waren.
Zudem musste ich die Haltenase der Batterieabdeckung absägen, da die entsprechende Öffnung im Gehäuse von der Raspi-Platine verdeckt ist.

GameLink-Abdeckung

In die kleine Abdeckung des GameLink-Ports habe ich den Reset-Schalter eingesetzt. Dieser dient dazu, um aus dem jeweiligen Emulator ins Auswahlmenü der Oberfläche zurückzugelangen.
Der kleine Taster hat eine Höhe und einen Durchmesser von 6mm, das Gehäuse ist nur wenig größer. Zunächst habe ich das Loch mittig durch die Abdeckung gebohrt. Danach habe ich eine Vertiefung in die Abdeckung gefeilt, in der der Taster genau hineinpasst. Die Vertiefung ist tief, dass der Drücker des Tasters nur einen Millimeter aus der Abdeckung herausragt. Leider habe ich kein Bild hiervon gemacht.

Spielemodul

Damit es nicht so aussieht, als ob der Gamboy ohne Spielemodul laufen könnte :), habe ich die Platine aus einem Spielemodul entfernt und so zurechtgesägt, dass es noch so grade unter die Kante des Spielmodulschachts fasst. Es stößt also direkt auf die Kante des Raspis mit der USB-Schnittstelle. Die Rückseite des Moduls konnte etwas länger bleiben.
Das Modul liegt nun natürlich nur lose im Schacht und würde sofort herausfallen, sobald man den Gameboy zum Spielen in die Hand nimmt. Um dies zu vermeiden, habe ich einen Ausschnitt in die Rückseite des Moduls gesägt und hierein einen Magneten geklebt. Der Magnet wird von den im Gehäuse verklebten Magneten angezogen, die dafür sorgen, dass die beiden Gehäusehälften im oberen Teil zusammenhalten, siehe „Zusammenbau“. 


Der Umbau – Elektronik

Gamecontroller

Für die Ansteuerung der Gamecontroller-Tasten nutze ich diei GPIO-Pins des Raspis. Diese werden später in der Linux-Distri als Tastatureingaben gemappt.

Um die GPIO-Pins mit der Platine des Gamecontrollers zu verbinden, habe ich ein altes 40 pol. IDE-Kabel genutzt. Eine Seite auf die GPIO-Schnittstelle gesteckt, die andere Seite vom Stecker befreit und an die angelöteten Litzen der Platine gelötet. Die an die Gamecontroller gelöteten Litzen waren zusätzlich notwendig, um möglichst flexibel und ohne Zug arbeiten zu können. Weiter unten dazu mehr.

Zurück zum IDE-Kabel:ggf. ist die Pinöffnung 1 am Stecker verschlossen, diese einfach mit einer heißen Nadel aufstechen. Der Pin kann allerdings nicht genutzt werden. Es scheint zudem IDE-Kabel zu geben, bei denen nur 1 Draht pro Leitung genutzt wird oder eine feine Litze. Letzteres hat einen deutlich höreren Querschnitt und lässt sich zur Stromversorgung des Raspis nutzen, erstere IDE-Kabel nicht. Der eine Draht pro Leitung lässt sich zudem deutlich schwerer verzinnen und löten.

Bei der Länge der IDE-Strippen gilt es zu beachten, dass diese a) möglichst kurz sind, um keinen Platz im Gehäuse zu verschwenden und b) sie aber noch so lang sind, dass sich das Gehäuse öffnen und die Gehäuseteile nebeneinander legen lassen, ohne den IDE-Stecker vom GPIO-Port abziehen zu müssen.

Hier das Pinout der GPIO-Schnittstelle 

Raspi Pi A/B+ Pinout von raspberry.tips

Hier mein Mapping GPIO-Gamecontroller und weitere Tasten

GPIO-Mapping-Tabelle
Nachdem die Planung für die Gamecontrolleranbindung stand, kam der wohl kniffeligste Teil des Projekts: Das Auflöten von Kitzen auf die Gamecontroller-Platine.Wer das umgehen will, kann auch eine neu gefertigte Platine mit schönen Lötpunkten kaufen, siehe Links.
Ich habe mich an die alte Platine gewagt und zunächst den Schutzlack der Gamecontroller-Platine an den entsprechenden Stellen vorsichtig abgeschliffen. Das geht mit feine Sandpapier oder einem Skalpell am besten.Die Kupferauflage ist sehr dünn, deshalb wirklich vorsichtig arbeiten!
Auf der Gamecontroller-Platine sind bereits viele Massepunkte zusammengeschaltet. Trotzdem musste ich noch 3 Leiterbahnbrücken auf die Platine löten, um mit nur einem Massekabel auszukommen. Anschließend habe ich mit dünner Litze die einzelnen Leiterbahnen abgegriffen. Nachdem eine Litze aufgelötet war, habe ich diese sofort und zugfrei mit Heißkleber nahe der Lötstelle fixiert. Wie schon erwähnt, die Leiterbahnen sind sehr dünn, man reisst sie schnell von der Platine ab!
Anschließend habe ich die Litzen auf der Rückseit zusammengeführt und nochmals mit Heißkleber fixiert. Puh, hat geklappt!

Gamecontroller-Platine mit angelöteten Litzen
Die zusätzlichen Buttons sowie den Reset-Schalter habe ich ebenfalls an die Litzen des IDE-Kabels gelötet.

Stromversorgung, Video und Audio

Display mit Steuerelektronik, Li-Ionen-Zelle mit Ladeelektronik und Ein-/Aus-Schalter, Mini-Verstärker
Anschließend galt es, die Spannungsversorgung vom Raspi, Verstärker und Display herzustellen. 
Vorab: Probiert aus, wie die Teile in den Raspi reinpassen, ggf. müsst ihr einige Teile schon befestigen, bevor ihr anfangt zu löten. Ergo: Dieses Kapitel sowie „Zusammenbau“ hängen eng miteinander zusammen und sind nicht sequenziell zu betrachten.
Zurück zur Elektronik: Das Display soll über den vorgesehenen Steckkontakt mit 12V versorgt werden.Die Powerbank stellt allerdings nur 5V zur Verfügung. Was nun? 
Ich hatte bereits in andern Foren gelesen, dass die Ansteuerelektronik des Displays intern mit 5V und 3,3V läuft. Auf SMD-Löterei auf der Ansteuerelektronik hatte ich eigentlich gar keine Lust. Also habe ich es zunächst einen kleinen Step-up-Wandler von 5V auf 12V versucht. Der hat aber leider so viele Störsignale ins Display-Signal geblasen, das das Bild sehr schlecht wurde. Also doch auf der Ansteuerelektronik den Spannungswandler nach 5V  gesucht, anschließend den Ausgang der Powerbank (hinter dem Ein-/ Aus-Schalter) direkt hinter dem Spannungswandler aufgelötet. Das Ergebnis war ein deutlich besseres Bild. Der in der Powerbank verbaute Stepup-Wandler verschlechtert das Bild nur wenig.Der/die Spannungswandler finden sich in der Regel in der „Ecke“ der Platine, in dem die Leitungen etwas kräftiger sind und ein paar diskrete Kondensatoren verbaut sind.

Displayansteuerung mit 5V am Spannungswandler-Ausgang (hier ein BM1410A)

Das Audiosignal inkl. Masse habe ich vom 3,5mm Klinkenstecker auf das Stereo-Poti geführt. Hiervon gehen die Leitungen auf die verbaute Klinkenbuchse weiter. Die Klinkenbuchse hat 2 Durchschleifkontakte. Sobald ein Kopfhörerstecker eingesteckt wird, wird diese Durchschleifung unterbrochen. Von den Durchschleifkontakten geht das Stereosignal auf den Verstärker.Wirkung: Ohne Kopfhörer wird das Signal zum Verstärker und zum Lautsprecher weitergeschleift. Mit eingestecktem Kopfhörer wird der Schleifkontakt unterbrochen und der Sound ist nur in den Kopfhörern zu hören.Da ich nur einen Mono-Lautsprecher verbaut habe, habe ich das Eingangssignal rechts und links gebrückt. Der Verstärker mochte es nicht, wenn die beiden Ausgänge gebrückt wurden…Der Mono-Lautsprecher ist kompakter und vor allem deutlich flacher als das Original. Dies ist notwendig, um nicht mit der Li-Ionen-Zelle ins Gehege zu geraten. Vom Sound her kann der 45-Cent-Lautsprecher das Original deutlich überflügeln.
So sieht die dann gesamte Elektronikverschaltung aus:

Display mit Ansteuerung, Powerbank mit angelötetem Schalter, Verstärker
Bitte seid vorsichtig beim Löten der Verbindungen zur Li-Ionen-Zelle! Die Zelle aus der Powerbank hat keine eigene Schutzschaltung und hat einen sehr geringen Innenwiderstand. Beim Kurzschluss fließen hohe Ströme, dann wird es verdammt schnell verdammt heiß!Lötet die Verbindungen nicht direkt an die Zelle an, sondern nutzt die punktgeschweißten Blechstreifen und lötet daran. Andernfalls kann die Zelle Schaden nehmen, sie brennt euer Haus ab oder speit euch ihre heißen Innereien entgegen…

Zusammenbau

Jetzt galt es, alle Bauteile zu dem Raspberry Pi Game Boy zusammenzufügen.

Vordere Gehäusehälfte

  • Zunächst habe ich das Display von hinten in den Displayausschnitt geklebt. Ich habe hierfür rundum Heißkleber verwendet, um später zu verhindern, dass durch verbliebene Ritzen Staub in den Zwischenraum zwischen Display und Displayscheibe gelangen kann.Anschließend habe ich die Controller-Platine des Displays mit doppelseitigem Klebeband auf der Rückseite des Displays fixiert.
  • Das Gehäuse würde bislang nur von 2 Schrauben im ehemaligen Batteriefach zusammengehalten. Dies erzeugt unweigerlich einen Spalt im oberen Bereich zwischen den Gehäusehälften. Um diesen zu schließen, habe ich mit Sekundenkleber 4 kleine Magnete an die obere innere Gehäusekanten der beiden Gehäusehälften geklebt. Diese sind so stark, dass am betriebsfertigen Umbau keine Gehäusespalte zu sehen sind.
  • Dann habe ich den Lautsprecher am Rand mit Sekundenkleber in die Lautsprechermulde geklebt.
  • Hiernach kam die Gamecontrollerplatine wieder an seine ursprüngliche Position.

Hintere Gehäusehälfte

  • Zunächst habe ich die Raspi-Platine mit eingestecktem Klinkenstecker im Gehäuse platziert und mit doppelseitigem Klebeband (etwas dicker) an den Auflagepunkten am Gehäuse fixiert. Dabei liegt die Raspi-Platine so, dass der USB-Anschluss mit der Kante der Modulschachtöffnung abschließt.
  • Die Klinkenbuchse habe ich in die vergrößerte Öffnung der ehemaligen Netzteilbuchse eingesetzt. Hierfür ist kaum Platz vorhanden, ich musste etwas suchen, um eine möglichst kurze Klinkenbuchse mit den zwei Durchschleifkontakten zu finden. Die Buchse habe ich mit etwas Sekundenkleber fixiert.
  • Die Buchse wird halb vom Platinenstück des Ein-/Aus-Schalters verdeckt. Diesen habe ich mit kurzen M2-Schraben durch die vorgesehene Befestigungsbohrung am Gehäuse fixiert. Damit die Platine sich nicht drehen kann, habe ich Platine zusätzlich mit doppelseitigem Klebeband mit dem Gehäuse verklebt.
  • Neben der Platine mit Ein-/Aus-Schalter habe ich mit doppelseitigem Klebeband die Verstärkerplatine befestigt.
  • Die Li-Ionen-Zelle habe ich mit etwas Heißkleber im Gehäuseausschnitt am ehemaligen Batteriefach fixiert. Die zugehörige Ladeelektronik habe ich ebenfalls mit etwas Heißkleber seitlich vom Batteriefach angeklebt.
  • Die Abdeckung für den GameLink-Port habe ich an der ursprünglichen Stelle mit Heißkleber eingesetzt.
  • Das Stereo-Poti habe ich auf einem dickeren Plastikstreifen befestigt. Dazu habe ich 2 kleine Löcher für die Pins des Potis ins Plastik gebohrt, mit der das Poti normalerweise auf einer Platine verlötet werden. Der Plastikstreifen ist so breit, dass er über die nächsten 2 Öffnungen für die Gehäuseschrauben reicht. An dieser Stelle habe ich zwei Löcher in den Plastikstreifen gebohrt und mit diesen 2 kurzen M2-Schrauben ab Gehäuse befestigt. 

So sieht nun der fertige Pi Boy von innen aus: Fertig!

Software

Retropie-Image auf SD-Karte kopieren

  • Ladet das aktuelle gepackte Image von Retropie herunter. Achtet auf die richtige Version für den Raspi 0/1.

Download

  • Entpackt das Image. Es liegt im Format .gz vor. Ihr könnt es zum Beispiel mit 7-Zip entpacken.

https://7-zip.org/download.html

  • Spielt das Image auf eine MicroSD-Karte (min 2GB). Nutzt hierfür z.B. win32diskimager.

https://sourceforge.net/projects/win32diskimager/

  • Installiert Win32diskimager. Wählt dann das zu beschreibende Laufwerk sowie die Image-Datei aus und klickt auf „Schreiben“.

Jetzt habt ihr eine SD-Karte mit einem lauffähigen Retropie-Image.

Retropie einrichten

  • Schließt eine USB-Tastatur an den Raspi an.
  • Starten den Raspi mit der SD-Karte. Der Raspi bootet automatisch erneut, um die Größe des Dateisystems an die SD-Karte anzupassen.
  • Emulationstation fährt hoch und fordert euch auf, einen Controller zu konfigurieren. Haltet eine Taste der Tastatur länger gedrückt, damit dieser als Controller erkannt wird.
  • Nun Weist ihr per Tastendruck alle Controllerbuttons der Tastatur zu. Schreibt euch die verwendeten Tasten auf, diese Liste benötigen wir später erneut.
  • Fahrt den Raspi nun Herunter (Taste „Start“ Menü“Quit“-„Shutdown System“).
  • Entnehmt die SD-Karte aus dem Raspi und steckt diese wieder in den Cardreader des PCs.
  • Windows erkennt nun 2 Laufwerke und fragt ggf. falls, ob eines davon formatiert werden soll. Diese Rückfrage unbedingt verneinen. Sonst überschriebt Windows das gerade entpackte Image.
  • Öffnet das auch in Windows sichtbare Laufwerk („boot“). 
  • Öffnet nun die config.txt mit einem kompatiblen Text-Editor. Der Windows-Editor ist nicht kompatibel, er zeigt den Inhalt einer Datei in einer Reihe an. Empfehlung: Notepad++ installieren und damit öffnen

https://notepad-plus-plus.org/download

  • Passt nun folgende Zeilen an. Falls die Zeilen nicht vorhanden sind, fügt die in die config.txt ein.

disable_overscan=0

framebuffer_width=640
framebuffer_height=480

  • Speichert die config.txt anschließend ab.

Für besseren Komfort: WLAN und SSH aktivieren

Um Retropie nicht über den kleinen Bildschirm konfigurieren zu müssen, könnt ihr einen SSH-Fernzugang über WLAN aktivieren.
Dann kann man vom Rechner aus Konsolenbefehle an den Raspi schicken und Datei editieren
Ihr benötigt dazu

  • einen USB-Hub
  • einen USB-WLAN-Stick
  • eine USB-Tastatur
  • Schließt die Tastatur und den WLAN-Stick an den Hub und diesen an den Raspi an.
  • Steckt die SD-Karte wieder in den Raspi und startet den Raspi.
  • Nach dem Hochfahren wechselt in das Menü Retropie und ruft dort die Option „raspi-config“ auf.
  • Wechselt zum Punkt Interfaces->SSH und aktiviert den SSH-Dienst.
  • Wechselt zum Punkt „Internationalisation Options“ und wählt den Punkt „WIFI“ aus. Wählt dort „DE Germany“ aus.
  • Verlasst Raspi-Config.
  • Wählt im Menü Retropie die Option „WIFI“ aus.
  • Wählt dort euer WLAN aus und gebt das Passwort ein. Konnte sich der Raspi ins WLAN einloggen, erhaltet ihr eine Meldung. Dort wird auch die IP des Raspis genannt. Schreibt die IP auf.
  • Ihr könnt nun versuchen, ob der Raspi im WLAN erreichbar ist. Gebt im Windows-Datei-Explorer die IP ein. Ihr solltet nun mehrere Unterverzeichnisse angezeigt bekommen.
  • Um vom Rechner auf die Konsole des Raspis zugreifen zu können, benötigt ihr einen SSH-Client. Z.B. putty

https://www.chiark.greenend.org.uk/~sgtatham/putty/latest.html

  • Installiert den SSH-Client. Gebt die IP des Raspis ein und stellt eine Verbindung her. Ist diese erfolgreich, öffnet sich nun ein Konsolenfenster.
  • Ihr werdet nach Username („pi“) und Passwort („raspberry“) gefragt. Habt ihr euch erfolgreich eingeloggt, begrüßt euch die Konsole des Raspis.

Gamboy-Tasten zuweisen

  • Um nun die Gameboy-Tasten, die mit den GPIO-Pins verbunden sind, anzusteuern, ist ein Tool von Adafruit notwendig. 

Siehe 
https://learn.adafruit.com/retro-gaming-with-raspberry-pi/adding-controls-software
https://learn.adafruit.com/retro-gaming-with-raspberry-pi/configuring-retrogame

  • Kopiert die erste dort genannten Befehlszeile aus dem Browser in die Zwischenablage (Strg+C), ruft die Konsole auf und fügt die Zwischenablage dort ein (Rechtsklick mit der Maus). Führt den Befehl mit „Enter“ aus.
  • Nach dem 3. Befehl wählt ihr im erscheinenden Menü den Eintrag 1. („PiGRRL 2 controlls“) aus.
  • Startet das System neu.
  • Das Tool von Adafruit hat eine editierbare Datei auf der SD-Karte abegelegt, in der Ihr die GPIO-Pins einer Keyboard-Taste zuweisen könnt.
  • Ihr könnt hierzu die SD-Karte wieder ins PC-Laufwerk schieben und dort im Laufwerk „boot“ die Datei retrogame.cfg editieren.
  • Oder ihr öffnet wieder am PC die SSH-Konsole des Raspis und öffnet einen einfachen Editor mit dem Befehl

sudo nano /boot/retrogame.cfg

  • In der retrogame.cfg ist schon eine Beispielkonfiguration hinterlegt. Passt diese den belegten GPIO-Pins (siehe „Elektronik“, Bild „Mapping“) und den beim aller ersten Start des Raspis hinterlegten Tastatur-Tasten an.
  • Speichert die Datei ab.
  • Steckt die SD-Karte ggf. wieder in den Raspi. Nach einem Boot/Neustart des Raspis solltet ihr die Emulationstation mit den Gameboy-Tasten bedienen können.
  • Ihr könnt nun Spiele-Images auf den Raspi kopieren.Gebt dazu im Datei-Explorer am PC wieder die IP des Raspis ein. Wechselt in das Verzeichnis „ROMS“ und in das entsprechende Unterverzeichnisse. Kopiert nun die Images hinein (vorher ggf. entpacken!).
  • Nach einem Neustart der Emulationstation seht ihr nun entsprechende Einträge der Spielkonsolen im Hauptmenü und ihr könnt die Spiele starten.